Web Life

Nachhilfe von Google für den IE

Irgendwie ist es schon peinlich. Da bringt Microsoft nach Veröffentlichung des IE6 jahrelang browser-technisch nichts mehr zustande (man hat Netscape ja geschlagen) und kontert neu aufkommende Browser wie Firefox und Co. viel zu spät mit halbherzigen Aktionen wie dem IE7 und aktuell dem IE8. Halbherzig deswegen, weil auch der neueste Browser sich teilweise immer noch nur durch Hacks dazu bewegen lässt Webseiten vernünftig zu rendern, obwohl er sich an Standards halten soll.
Mein Gott, wie oft fluche ich selbst über diese "Gewollt-aber-nicht-gekonnt-Web-Dinger" aus Redmond. Obwohl ich ein Fan der MS-Software bin: den Anspruch des "Technology Leadership" scheint Microsoft in Sachen Browser arg zu vernachlässigen. Andere sind da wesentlich innovativer, besser und schneller.

So zum Beispiel Google Chrome. Das durchdachte Konzept, die schnelle Javascript-Engine V8 und die bärenstarken Ladezeiten haben dazu geführt, dass ich inzwischen nur noch damit surfe. (Zum Entwickeln von Seiten ist allerdings weiterhin Firefox erste Wahl ;)

Angesichts eines Markanteils von ca. 65% für den IE (davon knapp 40% immer noch IE6 - ein Hammer!) und 3% für Chrome, haben die kreativen Google-Köpfe auf die verwegene Idee gebracht die IE-Redering-Engine Trident einfach durch die Webkit-Engine von Chrome auszutauschen! Der Hintergedanke ist wohl: Google Wave und andere zukünftige "Web 3.0"-Anwendungen werden es extrem schwer haben, vernünftig auf dem IE zu laufen. Bei der Verbreitung dieser Dinge kommt man aber nicht am IE vorbei und damit wird Geld verdienen schlußendlich schwierig.

Herausgekommen ist Google Chrome Frame, ein IE-Plugin, das die Entscheidung wie eine Webseite im IE gerendert wird dem PC-Administrator und dem Webentwickler überlässt. Microsoft ist außen vor...

Der Administrator auf der einen Seite muss nur auf der Maschine das Plugin installieren, was bei Firmen zum Teil wohl schwer durchsetzbar sein wird, aber gut.
Die Entscheidung, ob eine Webseite mittels Chrome Frame gerendert wird, obliegt allerdings dem Webentwickler, denn die Steuerung geschieht über einen Meta-Tag im Kopf des HTML-Codes:

<meta http-equiv="X-UA-Compatible" content="chrome=1">

Auf den Seiten des Google Chrome Frame Developers Guide wird zudem gezeigt, wie man mittels Javascript den User auf die Verwendung des Meta-Tags hinweisen und eine Installation anbieten kann. Logischer Schritt, um das Plugin möglichst schnell zu verbreiten.

Wer testen möchte, wie Chrome Frame sich verhält, muss nicht nach einer passenden Seite suchen, sondern ruft im IE nach der Installation eine Url einfach mit dem Präfig cf: auf, z.B. cf:http://zerbit.de.

Die negativen Reaktionen von Microsoft (Sicherheitsbedenken et cetera) auf Google Vorstoß sind verständlich, aber das Ganze führt hoffentlich dazu, dass die IE-Entwicklermannschaft in Redmond deutlich verstärkt wird und man sich des Themas Browser mal so richtig annimmt.

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