(klicken zum vergrößern)Google Mail-Dienst
GMail ist in mancher Hinsicht kein normaler Mailer. Die Oberfläche ist komplett mit AJAX programmiert, die aktuell verfügbare Mailbox-Größe liegt bei satten 2,7 GB, Tendenz weiter steigend, und es existieren kein Ordner, in die man seine eMails einsortieren kann, sondern alle eMails werden lediglich "getaggt", also mit Stichworten versehen.
Der viele Speicherplatz schreit geradezu danach, GMail auch als Internet-basierte Festplatte zu nutzen, denn es soll vorkommen, dass man bestimmte Dateien gerade dann nicht zur Hand hat, wenn man sie am dringendsten braucht.
Der Däne Bjarke Viksoe dachte sich das wohl auch und entwickelte eine Windows Explorer Erweiterung, namens
GMail Drive mit der man auf das GMail-Postfach wie auf eine lokale Festplatte oder einen Netzwerkordner zugreifen kann.
Das Tool, eine mit C++ entwickelte DLL, klinkt sich als sog. Shell Namespace Extension in den Explorer ein und bietet in der aktuellen Version 1.09, neben dem Verschieben, Kopieren oder Löschen von Dateien auf das GMail Drive, auch die Möglichkeit Unterordner anzulegen.
Man wird sich fragen: wie das, wo ja GMail selbst keine Ordner unterstützt, sondern nur Tags? GMail Drive macht sich den Umstand zunutze, dass jede Datei, die über das Tool hochgeladen wird, als eMail mit Anhang abgelegt wird. Anhand des Betreffs werden nun die Dateien identifiziert. Die Syntax des Betreffs lautet zum Beispiel:
GMAILFS: /ordner/datei.txt [123;n;1]
Nachdem man GMail Drive auf dem heimischen Rechner installiert hat und man zum ersten Mal auf das Icon im Explorer geklickt hat, wird man aufgefordert seinen GMail-Account inkl. Passwort anzugeben. Letzteres wird in der Registry als verschlüsselter Binärwert gespeichert, damit sich niemand unerlaubten Zugriff auf das Postfach verschaffen kann.
(klicken zum vergrößern)So gut das alles klingt: es hat auch ein paar Haken. Zum einen dürfen die Dateien nicht größer werden als 10 MB. Das liegt an der Begrenzung der Größe von Dateianhängen von GMail. Zudem ist die Länge des Dateinamens auf 40 Zeichen beschränkt. Man kann zwar aus jedem Windows-Programm heraus GMail-Dateien öffnen, aber da das Ganze als Namespace-Erweiterung implementiert ist, nur über den Standard-Öffnen/Speichern-Dialog. Auf einen Laufwerksbuchstaben muss man verzichten. Führt man eine Datei direkt aus dem GMail Driver heraus aus, so wird eine lokale Kopie im Temp-Verzeichnis angelegt. Nimmt man Änderungen an der Datei vor, muss man die geänderte Datei manuell wieder GMail zuführen.
Die Zugriffs-Performance hat natürlich ebenfalls Grenzen, denn die ganze Kommunikation mit dem Gmail-Postfach läuft über die Gmail Protocol API. Sind sehr viele Dateien im Postfach enthalten, dauert die Enumeration naturgemäß recht lange.
Alles in allem ist Gmail Drive ein interessantes Tool, dass das IT-Leben etwas erleichtert. Bleibt zu hoffen, dass Google den Zugriff über das Tool nicht erneut zu verhindern versucht, wie bereits einmal geschehen.