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Launch 2008 - Nachlese

Für mich, der das 2-Tage-Paket des Microsoft Launch 2008 "ready.for.take.off" vom 19. bis 21. Februar, gebucht hatte, ist das Mega-Event nun vorbei und es ist Zeit für ein paar Gedanken zu den besuchten Sessions und den dabei gewonnenen Eindrücken über die neuen Server-Systeme und Tools aus Redmond.

Das Fazit vorweg, frei nach einem bekannten Werbeslogan: Entdecke die Möglichkeiten. Man ist versucht nicht daran zu denken welche Altlasten man im täglichen Geschäft so mit sich herumschleppt. Ich für meinen Teil kann es kaum abwarten, bis ich die kenngelernten Möglichkeiten umsetzen kann.

Aber der Reihe nach. Meine Session-Auswahl richtete sich natürlich gänzlich am Thema Entwicklung aus, was dazu führte, das es der neue Windows Server 2008 nicht so recht auf mein Radar geschafft hat, wenn man vom IIS 7 einmal absieht.

Startpunkt war die Session Neu in Visual Studio 2008 von Dirk Primbs, in dem er, obwohl er dem Demo-Gott zuvor nicht gehuldigt hatte, trotzdem recht anschaulich rüberbrachte was Visual Studio 2008 so für Leckereien mit sich bringt.

Es kam in der Vergangenheit nicht so klar rüber, aber .NET 3.5, gegen das das neue Entwicklungstool geschrieben wurde, basiert auf dem Kern (CLR) des .NET-Framework 2.0, erweitert es um die Bibliotheken der Windows Presentation Foundation (WPF), Windows Communication Foundation (WCF), Windows Workflow Foundation (WF) und Windows Cardspace (.NET 3.0) und nun um die Bibliotheken der Language Integrated Query (LINQ). Alle weiteren Neuerungen im Visual Studio 2008 sind also, wie Dirk sich ausdrückte, "Code-Zucker" und können auch in .NET 2.0-Projekten benutzt werden, solange man die o.g. Erweiterungsbibliotheken nicht mit einbezieht. Deshalb ist es auch nicht schwierig zu verstehen, warum man beim Start eines neuen VS2008-Projektes auch die Wahl hat gegen welchen Framework man nun entwickeln möchte.

So war es auch natürlich, das in dieser Session LINQ eines der herausragenden Themen war. Besonders gefallen haben mir auch die Debugging- und Intellisense-Möglichkeit in Sachen Javascript, die neuen CSS-Entwurfstools und der neue WPF-Designer.

Nach der Session SQL Server 2008 - was ist neu für Entwickler?, die Daniel Walzenbach und Jens K. Süßmeyer im Tandem abhielten, dürfte so ziemlich jeder bedauert haben, daß das finale Produkt erst im 3. Quartal 2008 ausgeliefert werden wird. Allein der neue FileStream-Datentyp, bei dem der SQL Server die Kontrolle über im File-System abgelegte Dokumente übernimmt und somit die Vorteile der beiden Welten BLOB- und Datei-gestützte Datenhaltung vereint, ist der Traum eines jeden, der schon einmal ein DMS schreiben musste. Microsofts massive Änderung an der Volltextsuche (integriert; ohne den bislang nötigen Index-Dienst) und die Trennung des ehemals so umständlich zu handelnden Date-Datentyps in seine Bestandteile Date und Timespan (mit Nanosekundengenauigkeit) sind ein wirklicher Fortschritt.

Jens brachte in seinem Part der Session noch die herausragenden Vorteile neue MERGE-Methode zu Geltung, mit der es möglich wird, zwei ähnliche Datenbestände mit einem SQL-Statement zu synchronisieren und Daniel ging, wie sollte es auch anders sein (siehe http://www.woistdaniel.de), auf die neuen Spatial-Datentypen ein, die in Bezug auf die Themen Geometry und Geography standortfähige Anwendungen ermöglichen.

Ein Highlight des ersten Tages war sicherlich die Session von Ruprecht Dröge zum Thema SQL Server 2008 - Datentypen und Spracherweiterungen in T-SQL. Es war das reine Vergnügen ihn zum ersten Mal zu hören, nachdem ich bereits ein paar Publikationen von ihm gelesen habe. Besonders plakativ fand ich seine Erläuterungen zum neuen Datentyp HierarchyID, mit dem man in der Datenbank auf recht einfache Weise Hierarchien abbilden kann und den dort unter anderem implementierten .NET-gestützten Methoden zum, wie er sich ausdrückte, "Kinder machen".

Besonders interessante neue Features des SQL Servers 2008 sind auch die GroupingSets, mit denen man in einem Resultset gleich mehrere Gruppierungen ausgeben kann, der Row-Konstruktor zum Anlegen gleich mehrere Datensätze in einem Roundtrip und die Möglichkeit einen eigenen Table-Datentyp zu definieren, den man z.B. an Stored Procedures übergeben kann, womit die Parameter-Orgien bisweilen ein Ende haben können.

Den Auftakt des zweiten Tages machte für mich Dominick Baier mit der Session IIS 7 für ASP.NET-Entwickler. Es ist schon erstaunlich wie sehr sich eine Software im Inneren ändern kann, ohne an Kompatibilität einzubüßen. Der neue Internet Information Server besteht nun nicht mehr aus einer monolitischen EXE in der die Grundfunktionen abgefeiert werden und die über ISAPI erweitert werden kann, sondern aus dem sog. WebCore der zwei API's zur Verfügung stellt für managed und unmanaged Code. Für ASP.NET-Entwickler hat dies entscheidende Vorteile. So muss zum Beispiel endlich nicht mehr an der ISAPI-Konfiguration herumgefummelt werden, um einen Dateityp von ASP.NET behandeln zu lassen, sondern das wird schlicht über zentrale XML-Dateien konfiguriert, die man auch per Code ansprechen kann (applicationHost.config). Das gleiche gilt für Default-Documents, das lang ersehnte URL-Rewriting et cetera. Requests laufen aufgrund des neuen WebCores, der im übrigen auch in eigenen Anwendungen verteilbar ist, von nun an immer auch über Managed Code. Der Server weiß endlich das er es mit ASP.NET zu tun hat und das eröffnet auch ungeahnte Möglichkeiten in Sachen Tracing und Logging. So werden die Worker-Prozesse einsehbar!

Das Ganze hat aber auch einen Haken: dadurch das sich die Behandlung von Modulen und Handlern sich so entscheidend geändert hat, werden sie in der web.config auch an anderer Stelle definiert und zwar in der Sektion "system.webServer". Auch weitere neue Features des Servers wirken sich auf den Inhalt der web.config eines ASP.NET-Webs entscheidend aus, sodaß man nur noch schwer in der Lage sein wird, mit einem Windows XP und Visual Studio 2008 vernünftig Web-Projekte für Kunden mit IIS 7 zu entwickeln, da es diesen nur für Windows Server 2008 oder Vista gibt. Die Frage, die sich mir inzwischen auch stellt ist, was Cassini, der im Visual Studio enthaltene Development-Webserver, von den Änderungen in Richtung IIS 7 hält. Wird es bald überhaupt noch möglich sein ohne einen richtigen Web-Server im Hintergund schnell mal eine ASP.NET-Anwendung zu debuggen?

Kommen wir aber wieder zurück zu meinem Liebling, dem SQL Server 2008 und der Session SQL Server 2008 - Verwaltungstools und Policy-based Management von Oliver Goletz. Die im Windows Server-Umfeld nicht mehr wegzudenkenden Policies halten nun auch Einzug in die Microsoft'sche Datenbank, zwar nicht so strikt, aber immerhin. Die meisten Ansätze in diesem Zusammenhang gehen in Richtung Monitoring und nur einige wenige sind dazu da, um wirklich bestimmte Aktionen zu verhindern (Beispiel Naming). Aber das ist nicht weiter tragisch, denn man wird auf Verstöße gegen die Richtlinien auf höchst effiziente Weise aufmerksam gemacht und kann entsprechend reagieren und das meist noch für beliebig viele Server auf einmal.

Das kollaborative Element der neuen Datenbank ist eh besonders stark ausgeprägt. So wird ein DB-Admin nun in die Lage versetzt alle seine Server so zu konfigurieren, dass sie laufend einem definierten Repository-Server berichten was sie so treiben. Aus diesen Langzeitdaten lassen sich anschließend sehr bequem Zustandsberichte erzeugen, die das harte Leben eines Datenbank-Servers dokumentieren. Gründe für eine einzelne Lastspitze vor 8 Tagen gegen 12 Uhr zu ermitteln mutiert zum Kinderspiel.

Besonders angetan hat es mir aber der Resource Governor, mit dem man die natürlichen Resourcen eines Servers (CPU und Speicher)auf bestimmte Rollen paritätisch verteilen kann. Das Marketing braucht zwischen 10:00 und 13:00 schnellere Antwortzeiten? Kein Problem. Man weist der Rolle Marketing einfach 80% der CPU-Zeit zu, reduziert im Verhältniss alle anderen und fertig. So kann es nie wieder passieren, dass ein übereifriger Entwickler ein Massenupdate anstößt und alle anderen Kollegen kaum noch arbeiten können.

Alles in allem ist der Ausblick auf die Entwicklerzukunft im Microsoft-Umfeld ein Vielfaches rosiger geworden. Halten die Produkte auch nur die Hälfte was sie versprechen, so wird es richtig Spass machen Anwendungen zu entwickeln, die wir uns heute so noch gar nicht recht vorstellen können, allein weil wir die Zeit und Gelegenheit haben uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

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1 Kommentar bislang...

  • Danke für die Zusammenschau. Hab den Event leider verpasst...
    1
    Brenrhad : Donnerstag, 21. Februar 2008 10:54

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  • Datum: 21.02.2008
    Kategorie: Sonstiges
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