Office

FrontPages Nachfolger

Microsofts neue Web-Editoren

Der bisherige Web-Editor aus dem Hause Microsoft, FrontPage, hat nun schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das merkt man vor allem an dem für moderne Editoren wie Dreamweaver sehr mageren Funktionsumfang, wie zum Beispiel der Behandlung von CSS-Dateien und deren Einbindung in den Entwicklungsprozess einer Web-Site.

Es war nun zu erwarten, dass Microsoft, auch im Zuge der verstärkten Bemühungen rund um .NET 2.0, etwas Neues auf den Markt bringt. Das Internet ist einem neuerlichen Hype unterlegen und da müssen auch die Redmonder reagieren. Web 2.0 lässt grüssen.

Man hätte vielleicht denken können, es gibt mit dem angekündigten neuen Office 2007 auch eine neue FrontPage-Version, aber weit gefehlt. Neben dem vor allem für .NET-Entwickler gedachten Visual Web Developer 2005 Express bzw. dessen großen Bruder aus dem Visual Studio 2005, bringt Microsoft gleich zwei neue Programme (!) auf den Markt, die FrontPage gänzlich ablösen: Microsoft Office SharePoint Designer 2007 und Microsoft Expression Web Designer!

Das erste, Teil des neuen Office 2007, soll SharePoint-Anwendern an die Hand gegeben werden, um "effiziente Anwendungen auf Grundlage der SharePoint-Plattform" entwickeln zu können. Das zweite proklamiert Microsoft als Tool zum "Entwerfen, Entwickeln und Verwalten außergewöhnlicher standardbasierter Websites".

Da beide seit Kurzem in Beta-Versionen von den Microsoft-Servern heruntergeladen werden können, lag es nahe, dass ich mir beide Tools einmal ansehe, denn mich interessierte, wie die Redmonder sich einen modernen Web-Editor vorstellen und warum sie gleich zwei davon vom Stapel lassen.

Bevor ich auf die neuen Funktionen der FrontPage-Nachfolger zu sprechen kommen, nur kurz etwas zu den Unterschieden der beiden Beta-Versionen: sieht man einmal davon ab, dass es den SharePoint Designer im Rahmen der Office 2007 Beta auch in deutscher und vielen weiteren Sprachen gibt und die Beta vom Expression Web Designer nicht, so handelt es sich um identische Programme! Beide Tools melden sich jeweils als Version 12.0.4017.1004 und der Expression Web Designer enthält sogar einen Versionsverweis auf das Office 2007 (MSO 12.0.4017.1003). Lediglich die Funktionen zur Verbesserung der Office-Beta (Office-Diagnose, et cetera) sind nur im SharePoint Designer enthalten, was aber durchaus nachzuvollziehen ist.

Wie Zwillinge gleichen sie einander bis auf's Haar, hören jedoch auf unterschiedliche Namen. Nach den Informationen der neu gestalteten FrontPage-Homepage hätte man dies nicht direkt vermuten können, da man jeweils andere Zielgruppen im Auge hat. Bleibt allerdings abzuwarten wie die finalen Versionen aussehen werden.

Oberfläche


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Man sieht den neuen Tools an, dass hier FrontPage konsequent weiterentwickelt wurde. Die Oberfläche ist sehr vertraut. Einen wirklichen Fortschritt stellen die neuen Aufgabenbereiche oder Task Panes dar. Neben der bereits bekannten "Ordnerliste" am linken Rand des Editors sind nun 20 weitere hinzugekommen, die in beliebigen Bereichen am Rand der Oberfläche gruppiert und angedockt werden können.

Besonderes Augenmerk verdient dabei die Toolbox, die neben allen Standard-HTML-Elementen nun auch sämtliche Standard-ASP.NET-Elemente enthält und somit schon verrät welche Server-Script-Sprache tonangebend ist.

Den Code einer Seite kann man wie gewohnt auf drei verschiedene Weisen bearbeiten: Entwurf, Code oder in geteilter Ansicht. Ein Vorschaufenster wie in FrontPage gibt es nicht mehr. Es macht irgendwie auch keinen Sinn, denn wenn man wirklich ASP.NET-Seiten kodieren möchte, so muss die Seite eh auf einem Web-Server gerendert werden. Für reine HTML-Seiten wäre eine Vorschau zwar praktisch, aber ein Web-Entwickler war noch nie gut beraten sich auf die Internet Explorer-Ansicht zu verlassen.

Editor


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Der Code-Editor hat einige neue Funktionen erhalten, die ihm sehr gut zu Gesicht stehen. Bei der Eingabe von HTML-Code wird auf Grundlage des angelegten Content-Types jeder Fehler farbig markiert. Nicht geschlossene Tags sollten somit der Vergangenheit angehören. Bezüglich der Standards können die neuen Tools nun auch mit allen XHTML-Spielarten umgehen.

Alle Links oder anderweitige Verknüpfungen zu externen Quellen oder Dateien lassen sich nun im Editor mit der STRG-Taste verfolgen und werden im Code gesondert hervorgehoben. Dies gilt sogar für angelegte Klassen aus externen CSS-Dateien.


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Besondere Erwähnung müssen die neuen Möglichkeiten in Bezug auf Cascading Style Sheets finden. Vorbei sind die Zeiten, da eine CSS-Datei als reine Textdatei behandelt wurde. Neben dem konsequentem Einsatz von IntelliSense für verschiedene einstellbare CSS-Versionen, ist die Formatvorlagenverwaltung, in Form eines Aufgabenbereichs, eine gelungene Erweiterung. Dabei werden dort auch per @import-Direktive eingebundene CSS-Dateien aufgelistet. Mittels des kleinen Vorschaufensters behält man die verschieden formatierten CSS-Anweisungen unter Kontrolle.

Weitere Funktionen

Die ASP.NET-Unterstützung ist weitreichend. So kann man zwar keinen Code-Behind-Form schreiben, aber dafür wird man bei der Verwendung der ASP.NET-Steuerelemente von vielen Assistenten unterstützt, die die Arbeit ungemein erleichtern. Die Anbindung von Datenbanken und anderen Datenquellen wie lokale oder externe XML-Dateien ist mit weinigen Mausklicks erledigt. Um den Code zu prüfen ist in der Installation der Tools der von Visual Studio bekannte ASP.NET Development Server enthalten. Dabei handelt es sich um einen integrierten Web-Server, um nicht auf einen ausgewachsenen Internet Information Server angewiesen zu sein.


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In punkto Suche hat Microsoft ebenfalls nachgelegt. Die Suchergebnisse werden nun in einem eigenen Aufgabenbereich angezeigt. Dem etwas nervigen Dialog von FrontPage wird wohl kein Nutzer eine Träne nachweinen. Nun ist es möglich zwei Suchen gleichzeitig durchzuführen, deren Ergebnisse unter jeweils einem Karteireiter zu finden sind. Diese Suchergebnisse kann man ein weiteres mal filtern und man kann komplette Suchläufe speichern. Alles in allem ein wirklicher Fortschritt.

Fazit

Microsoft hat sich sehr bemüht aus FrontPage einen erwachsenen Web-Editor zu machen, was weitgehend gelungen ist. Ich hatte jedoch bei dem Versuch ein ASP-Projekt mit den beiden Tools zu editieren das Problem, dass diese in die für den IIS notwendigen Meta-Dateien (_vti_cnf - Ordner) immer das falsche (?) Charset geschrieben haben. War das in FrontPage immer windows-1252, so ist der Standard nun utf-8, sofern in der ASP- oder HTM-Datei nicht ein anderer Content-Type angegeben ist. Dies wirkte sich aus einem mir noch nicht bekannten Grund fatal auf einige ASP-Seiten aus, die keinerlei HTML-Code enthielten, sondern nur ausgelagerten Code. Er wurde schlichtweg nicht mehr ausgeführt.

Es bleibt nun abzuwarten inwieweit sich die finalen Versionen der Tools von den jetzigen Betas unterscheiden. Der SharePoint Designer zumindest läuft bis Februar 2007.

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  • Datum: 29.05.2006
    Kategorie: Office
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